„Wer nicht sichtbar ist, wird politisch ignoriert.“ Mit diesem Satz beschreibt fwd:-Geschäftsführer Alexander Ostermaier eine Erfahrung, die die Veranstaltungswirtschaft während der Coronazeit deutlich gemacht hat. Während andere Branchen statistisch klar erfasst waren und dadurch frühzeitig in staatlichen Hilfsprogrammen berücksichtigt wurden, blieb die Rolle der Livekommunikation als eigenständiges Marktsegment lange unscharf. Für Unternehmen, Mitarbeiter und Selbstständige hatte das spürbare wirtschaftliche Konsequenzen.
Sichtbarkeit entsteht heute vor allem durch Daten – durch belastbare Kennzahlen, nachvollziehbare Strukturen, Vergleichswerte und deren Einordnung. An diesem Punkt setzt der HR- und Gehaltsreport der fwd: Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft an. Die Untersuchung wurde von Juli bis Dezember 2025 zum dritten Mal durchgeführt und etabliert sich zunehmend als Referenz für Arbeitsbedingungen und Vergütungsstrukturen innerhalb der Branche.
An der aktuellen Erhebung beteiligten sich 246 Unternehmen aus Bereichen wie Messebau, Agenturen, Veranstaltungstechnik, Locations, Ausstattung, Catering, IT sowie Corporate-Eventabteilungen. Wissenschaftlich begleitet wird die Studie vom R.I.F.L.E. Research Institute for Exhibition and Live-Communication. Auf dieser Basis entsteht ein differenziertes Bild eines Wirtschaftszweigs, dessen Bedeutung in der öffentlichen Wahrnehmung weiterhin unterschätzt wird. Insgesamt 178 klar definierte Tätigkeits- und Berufsbilder dokumentieren den hohen Spezialisierungsgrad – von Creative-Direktoren über Fachplaner für Video, Ton und Licht bis hin zu Nachhaltigkeitsmanagern und Facility-Verantwortlichen.
Die aktuellen Ergebnisse zeigen eine seit 2022 moderate, aber kontinuierliche Gehaltsentwicklung nach oben. In zahlreichen Funktionen liegen die Vergütungen über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Projektmanager erreichen inzwischen monatliche Gehälter von bis zu 4.475 Euro. Zugleich präsentiert sich die Branche als vergleichsweise jung und flexibel und bietet vielfältige Zusatzleistungen. Auffällig sind zudem geringe Fehlzeiten, die als Indikator für Motivation, Identifikation und einen ausgeprägten Teamzusammenhalt gewertet werden können.
Der Stellenwert des fwd: Reports geht jedoch über die reine Gehaltsbetrachtung hinaus. Die Studie schafft belastbare Argumentationsgrundlagen gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Sie liefert Unternehmen Benchmarks für Personalplanung, Vergütungsmodelle und strategische Entscheidungen. Darüber hinaus dokumentiert sie, dass die Veranstaltungswirtschaft kein diffuses Kreativfeld darstellt, sondern ein strukturierter und wirtschaftlich relevanter Sektor mit klar definierten Rollen und Kompetenzen.
In einem Umfeld, in dem politische Entscheidungen zunehmend datenbasiert getroffen werden, kann es sich eine Branche nicht leisten, statistisch unsichtbar zu bleiben. Mit seiner kontinuierlichen Forschungsstrategie zieht der fwd: Konsequenzen aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre. Denn nur wer in Zahlen abgebildet ist, findet auch Gehör in politischen und gesellschaftlichen Debatten.
Der fwd: HR- und Gehaltsreport ist damit mehr als eine reine Datensammlung. Er dient der Selbstverortung der Branche und stärkt ihre Position im politischen Diskurs. Zugleich unterstreicht er die wirtschaftliche und gesellschaftliche Relevanz eines Sektors, dessen tatsächliche Bedeutung in der öffentlichen Wahrnehmung bislang nicht in vollem Umfang abgebildet wird.
Herzlichst
Ihr Peter Blach

















