Bei den aktuellen Shows der „The Loop“-Tour von Ed Sheeran vertraut das Audioteam auf das bidirektionale Breitband-Drahtlossystem Spectera von Sennheiser. Nach den ersten Konzerten in Neuseeland und Australien ist Ed Sheeran noch bis November in Nordamerika unterwegs, ehe dann weitere Stadiontermine in Südamerika auf dem Tourplan stehen. Für Monitoringenieur und HF-Techniker Dave White liegen die wesentlichen Vorteile des Systems bei der HF-Koordination, der Abdeckung großer Bühnenbereiche und der Reduzierung der benötigten Hardware.
White arbeitet seit 2014 mit Sheeran und hat in dieser Zeit mehrere Generationen von Sennheiser-Funksystemen eingesetzt. Auf die 2000er- und Digital 9000-Serie folgte für die „Mathematics“-Tour Digital 6000. Mit der zunehmenden Größe der Produktion stiegen auch die Anforderungen an Audiokanäle, Funkstrecken und In-Ear-Monitoring.
Eine besondere Anforderung der neuen Tour ergibt sich aus den Dimensionen des Bühnenaufbaus. Sheeran bewegt sich zwischen Haupt- und B-Bühne, wobei die Funkversorgung durchgehend gewährleistet sein muss. Nach Einschätzung von White wäre eine vergleichbare Abdeckung mit konventionellen analogen IEM-Systemen mit zusätzlichen Umschaltungen und Verstärkern verbunden. Spectera ermöglicht dagegen die Versorgung der verschiedenen Bereiche innerhalb eines gemeinsamen Systems.
Für die Funkabdeckung kommen elf Spectera-DAD-Antennen in Verbindung mit Medienkonvertern zum Einsatz. Antennenpositionen befinden sich unter anderem links und rechts der Bühne sowie an der B-Bühne. Zusätzliche Antennen versorgen den hinteren Bühnenbereich. Eine weitere HF-technische Herausforderung stellt die rund 50 × 18 Meter große LED-Videowand dar, die einen wesentlichen Teil des Bühnenbilds bildet.
Das Team betreibt drei Spectera-Basisstationen über drei HF-Träger, wobei eine Station als vollständiges Backup vorgesehen ist. Eine 1U-Basisstation unterstützt bis zu 32 gleichzeitige Ein- und Ausgänge. Für White vereinfacht insbesondere der Breitbandansatz die Frequenzkoordination. Statt zahlreiche einzelne Schmalbandträger zu berechnen und aufeinander abzustimmen, sucht er für die Produktion drei freie Frequenzblöcke mit jeweils 6 oder 8 MHz Bandbreite.
Nach seinen Angaben reduziert sich dadurch die für die Koordination benötigte Zeit deutlich. Während die Frequenzplanung beim vorherigen Set-up ungefähr eine halbe Stunde beanspruchte, veranschlagt White mit Spectera dafür etwa sieben Minuten.
Das System wird für Sheerans Gesangsmikrofone und Gitarren sowie für die Musiker der irischen Band Beoga eingesetzt. Da die Spectera-Bodypacks als Transceiver arbeiten, lassen sich Sende- und Empfangsfunktionen in einem Gerät kombinieren. Bei Beoga werden damit sowohl Instrumentensignale übertragen als auch IEM-Signale empfangen. White zufolge lässt sich dadurch die Zahl der erforderlichen Bodypacks gegenüber konventionellen Lösungen ungefähr halbieren.
Ein spezieller Anwendungsfall betrifft Beoga-Musiker Eamon Murray. Bei dessen Bodhrán werden Trigger-Signale über ein Spectera-Bodypack zu einem Trigger-Rack hinter der Bühne übertragen. Dort erzeugte Samples für Snare- und Kick-Sounds gelangen anschließend wieder zurück. Das Set-up ermöglicht Murray trotz der zusätzlichen elektronischen Sounds weitgehende Bewegungsfreiheit auf der Bühne.
Für Überwachung und Konfiguration nutzt das Team die webbasierte WebUI von Sennheiser. Darüber lassen sich unter anderem Batteriestatus, IEM-Lautstärke und HF-Status kontrollieren. Für White ist insbesondere der Zugriff auf Live-Daten relevant, um bei Störungen schnell zwischen einem Problem der Funkstrecke und einem Fehler am Instrument unterscheiden zu können.
Die flexible Zuordnung der Streams reduziert außerdem den Bedarf an speziell vorkonfigurierten Ersatzgeräten. Jedes Bodypack kann unterschiedliche Streams empfangen. Muss ein Gerät während einer Show ausgetauscht werden, kann daher ein anderes Bodypack entsprechend konfiguriert werden.

Neben dem Workflow bewertet das Audioteam auch die Übertragungseigenschaften des Systems positiv. FOH-Tontechniker Simon Kemp berichtet insbesondere von Veränderungen bei Transparenz und Dynamik gegenüber dem zuvor eingesetzten Digital-6000-System. Das ist bei Sheerans Produktion relevant, da Gesang und Gitarre über weite Teile der Show unmittelbar im Vordergrund stehen. Für den Gesang wird eine MM 445-Kapsel verwendet; die Signalkette vom Sender bis zur Beschallungsanlage ist vollständig digital ausgeführt.
Belastungstests ergeben sich auf der Tour nicht nur durch die Größe der Spielstätten. Beim Tourauftakt in Auckland war die Technik starkem Regen ausgesetzt. Nach Angaben von White traten dabei weder bei Handsendern noch bei Bodypacks HF-Ausfälle auf. Während mehrere Gitarren durch eindringendes Wasser ausfielen, blieben die Funkverbindungen bestehen. In Australien kamen zudem hohe Temperaturen von teilweise 40 bis 45 Grad hinzu.
Für 2026 wurde das Set-up um den Spectera-Handsender erweitert, den White bereits während der Beta-Phase testete. Dabei stand das Tourteam im Austausch mit den Entwicklungs- und Anwendungsteams von Sennheiser und gab Rückmeldungen zu Hard- und Software unter realen Produktionsbedingungen.
Der Systemwechsel wirkt sich schließlich auch auf das Touring-Logistikvolumen aus. Bei der vorherigen Tour belegten In-Ear-Monitoring, Kombinatoren und Verstärker nach Angaben von White ein eigenes 32U-Rack. Dieses konnte entfallen. Die drei Spectera-Einheiten einschließlich Ladeinfrastruktur wurden in die bestehende Monitorausrüstung integriert. Neben der vereinfachten HF-Koordination reduziert sich damit auch das zu transportierende Equipment.























