Zwölf Tage sind in der Veranstaltungsbranche keine lange Zeit. Am 27. September treten in Deutschland die neuen Regeln zur Umsetzung der sogenannten EmpCo-Richtlinie (EU) 2024/825 in Kraft. EmpCo steht für „Empowering Consumers for the Green Transition“, also die Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel. Damit bekommt ein Begriff, der inzwischen fast selbstverständlich in Präsentationen, Ausschreibungen, Websites und Veranstaltungskonzepten auftaucht, eine neue Bedeutung: „nachhaltig“ wird von einer Haltung zu einer Aussage, die sich belegen lassen muss.
Das ist zunächst keine schlechte Entwicklung. Die Branche hat in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um Energieverbrauch, Mobilität, Catering, Materialeinsatz und Abfallmengen zu reduzieren. Gleichzeitig ist eine Kommunikationswelt entstanden, in der „Green Event“, „klimaneutral“ oder „Sustainable Choice“ mitunter schneller formuliert als nachgewiesen wurden.

Genau hier setzt EmpCo an. Allgemeine Umweltaussagen benötigen künftig eine klare Spezifizierung und belastbare Grundlage. Eine einzelne positive Eigenschaft darf nicht stellvertretend für eine komplette Veranstaltung stehen. Mehrweggeschirr macht ein Festival ebenso wenig automatisch nachhaltig wie Ökostrom eine Messe oder ein Kongresshotel. Auch eigene Nachhaltigkeitssiegel geraten unter Druck, wenn Kriterien und unabhängige Prüfung fehlen.
Für Veranstalter, Locations und Dienstleister bedeutet das vor allem Arbeit am Detail. Welche Leistung wurde tatsächlich gemessen? Wo liegen die Systemgrenzen? Welche Emissionsquellen wurden berücksichtigt? Welcher Zeitraum gilt? Und wer hat die Angaben geprüft? Selbst eine Zertifizierung wie ISO 20121 beantwortet nicht automatisch die Frage, ob eine konkrete Veranstaltung insgesamt als „nachhaltig“ bezeichnet werden kann.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen vorhandene Textbausteine. Eventwebsites, Ticketshops, Locationprofile, Sponsorunterlagen oder Social-Media-Kampagnen wurden häufig lange vor dem neuen Rechtsrahmen formuliert. Was gestern noch als übliche Nachhaltigkeitskommunikation durchging, kann künftig eine Begründung verlangen.
Vielleicht liegt darin auch eine Chance. Nachhaltigkeit könnte sich bis 2028 vom werblichen Attribut zur belastbaren Produktinformation entwickeln. Dann sprechen wir weniger über „grüne Events“ und mehr über Energieverbrauch, erneuerbare Energien, Materialkreisläufe, Mobilitätsdaten und konkret abgegrenzte Emissionen.
Das wäre für die Branche ein Fortschritt. Denn am Ende zählt nicht, wie nachhaltig eine Veranstaltung klingt, sondern was sich davon nachweisen lässt.
Herzlichst
Peter Blach

















