Start Production Sennheiser Spectera im Einsatz beim ESC 2026

Sennheiser Spectera im Einsatz beim ESC 2026

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Der Eurovision Song Contest gilt seit Jahrzehnten als technisches Schaufenster für Broadcast-, Licht- und Audiotechnik. Für die Ausgabe 2026 in der Wiener Stadthalle setzte Sennheiser gemeinsam mit dem ORF und dem Produktionsunternehmen Agorà erstmals ein besonders umfangreiches Setup seines Breitbandsystems Spectera ein. Nach Angaben des Herstellers handelte es sich um die bislang größte Installation des Systems bei einer Live-TV-Produktion.

Im Zentrum der Audioinfrastruktur standen vier aktive Spectera Base Stations, die insgesamt rund 150 Livestreams für drahtlose Mikrofone, In-Ear-Monitoring und Steuerdaten verwalteten. Ergänzt wurde das Setup durch zwei weitere Base Stations für Monitoring und Redundanz. Während eine Einheit permanent das HF-Spektrum überwachte, stand eine weitere vollständig als Backup-System bereit.

Sennheiser Spectera (Foto: Sennheiser)

Die technische Audioproduktion verantwortete Agorà. Das Unternehmen koordinierte sämtliche Mikrofon- und In-Ear-Strecken sowie die Signalverteilung an die Ü-Wagen. Head of Sound Gerhard Jansa leitete den zentralen Sound Room der Wiener Stadthalle, in dem die verschiedenen Gewerke zusammenliefen. Besonderes Augenmerk lag laut Beteiligten auf Ausfallsicherheit und schnellen Wechselzeiten zwischen den einzelnen Acts.

Der Eurovision Song Contest stellt hohe Anforderungen an alle technischen Systeme. Zwischen zwei Auftritten verbleiben häufig nur wenige Sekunden für Umbauten und Künstlerwechsel. Beim ESC 2026 standen dem Audioteam nach Angaben von Sennheiser lediglich 42 Sekunden für die Rotation der drahtlosen Systeme zur Verfügung. Dafür wurden mehrere vorbereitete Sets aus Handsendern, In-Ear-Systemen und Bodypacks parallel betrieben.

Zum Einsatz kamen unter anderem 46 Spectera-Handsender mit Neumann-Kapseln vom Typ KK 105 A sowie mehr als 100 bidirektionale Spectera-Bodypacks. Künstler, die beide Hände frei benötigten, arbeiteten mit Headmic-4-Headsets und den entsprechenden Bodypacks für Audio- und Monitoring-Signale. Laut Sennheiser reduzierte das Setup den Verkabelungs- und Koordinationsaufwand deutlich, da Mikrofon- und In-Ear-Funktionen über ein gemeinsames Breitbandsystem abgewickelt werden konnten.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der HF-Abdeckung innerhalb der Wiener Stadthalle. Das System arbeitete mit mehreren Spectera-DAD-Antennen, die sowohl im Zuschauerbereich als auch hinter der Bühne installiert wurden. Die Verbindung zwischen Sound Room und FOH erfolgte über Glasfaserstrecken und Standard-Medienkonverter. Nach Angaben der Techniker ließ sich dadurch die volle Leistung der entfernten Antennen nutzen, ohne die Einschränkungen klassischer RF-over-Fibre-Lösungen in Kauf nehmen zu müssen.

Sennheiser hebt insbesondere die Möglichkeiten des Breitbandansatzes hervor. Spectera basiert auf WMAS-Technologie und verarbeitet mehrere Audio- und Steuerdatenströme innerhalb eines breiten HF-Kanals. Dadurch sollen typische Probleme klassischer Drahtlossysteme wie Fading oder Phasenauslöschungen reduziert werden. Gleichzeitig ermöglicht das System laut Hersteller eine kontinuierliche Überwachung von Gerätezuständen und Funkverbindungen in Echtzeit.

Die Verantwortlichen berichteten von mehreren Situationen während der Proben, in denen sich Fehlerquellen unmittelbar über die Software erkennen ließen. So konnte beispielsweise ein vermeintlicher Ausfall eines In-Ear-Systems direkt als falsch eingesteckter Ohrhörer identifiziert werden, ohne dass Techniker die Bühne betreten mussten. Auch Veränderungen der HF-Performance durch Kostümwechsel oder metallische Elemente ließen sich laut Sennheiser frühzeitig erkennen.

Besondere Bedeutung hatte der ESC 2026 auch aus Sicht der Entwickler des Systems. Nach Angaben von Jan Watermann und Sebastian Georgi reichen die Ursprünge der Spectera-Entwicklung bis zum Eurovision Song Contest 2014 in Kopenhagen zurück. Damals habe die schwierige HF-Situation in einer ehemaligen Werfthalle mit großflächigen Metallstrukturen die Entwicklung neuer Ansätze für breitbandige Drahtlostechnik angestoßen.

Die Entwickler verweisen insbesondere auf die Vorteile synchronisierter Breitbandübertragung. Während bei klassischen digitalen Drahtlossystemen Phasenprobleme zwischen mehreren Mikrofonen auftreten können, sollen sich bei Spectera mehrere Signale ohne hörbare Auslöschungen gemeinsam mischen lassen. Grundlage dafür ist laut Sennheiser ein TDMA-Verfahren mit synchronisierten internen Takten der Geräte.

Für Sennheiser markiert der ESC 2026 damit einen weiteren Schritt in der Entwicklung drahtloser Audiotechnik für große Broadcast-Produktionen. Bereits in den 1980er Jahren setzte der Hersteller nach eigenen Angaben Funktechnik beim Eurovision Song Contest ein. 2013 folgte die Einführung digitaler Drahtlossysteme, nun kam mit Spectera erstmals die aktuelle WMAS-Technologie in großem Umfang bei der Veranstaltung zum Einsatz.