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Forum Musikwirtschaft fordert Reform vom Arbeitszeitrecht

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Das Forum Musikwirtschaft fordert die Bundesregierung auf, die im Koalitionsvertrag angekündigte Reform des Arbeitszeitrechts umzusetzen. Insbesondere für projektbasierte Wirtschaftsbereiche wie die Musikwirtschaft sei eine flexible, rechtssichere Arbeitszeitregelung essenziell. Trotz politischer Signale im Herbst sei bislang kein Fortschritt erkennbar – ein Zustand, der sich zunehmend negativ auf Planungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität auswirke.

Die Musikwirtschaft ist durch komplexe Wertschöpfungsketten geprägt. Produktion, Management, Vermarktung, Verlagswesen, Merchandising und Live-Formate greifen eng ineinander. Starre gesetzliche Vorgaben zur täglichen Höchstarbeitszeit behindern funktionierende Arbeitsprozesse über Branchengrenzen hinweg.

Besonders deutlich wird dies im Bereich von Kulturveranstaltungen: Tourneen, Konzerte und Festivals folgen keinen standardisierten Acht-Stunden-Tagen. Auf- und Abbauarbeiten finden oft nachts statt, Produktionen erfordern flexible Zeitfenster – häufig über mehrere Tage hinweg. Das aktuell gültige Arbeitszeitgesetz entspricht diesen Anforderungen nicht und erzeugt Rechtsunsicherheit für Unternehmen und Beschäftigte.

Das Forum Musikwirtschaft plädiert daher für einen Perspektivwechsel: Gefordert wird eine Wochenarbeitszeitregelung mit einem Höchstmaß von bis zu 60 Stunden, unter Wahrung der EU-rechtlich verankerten durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 48 Stunden. Die Umsetzung soll über Ausgleichsmodelle, Zeitkonten und verbindlichen Freizeitausgleich erfolgen – stets auf Basis freiwilliger, einvernehmlicher Vereinbarungen. Die gesetzlichen Ruhezeiten sollen dabei unverändert bestehen bleiben.

Dazu Johannes Everke, Geschäftsführer des BDKV Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, einem der Mitglledsverbände des Forum Musikwirtschaft: „Ein solches Modell könnte nicht nur die wirtschaftliche Tragfähigkeit projektbasierter Arbeit sichern, sondern auch die Selbstbestimmung und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten stärken. Es geht ausdrücklich nicht um die Senkung von Schutzstandards, sondern um deren realitätsgerechte Anpassung.“

Als Vorbilder nennt das Forum Musikwirtschaft das österreichische Arbeitszeitrecht sowie bestehende Tarifregelungen aus der Film- und Fernsehbranche. Diese zeigen, dass Flexibilität und Arbeitsschutz vereinbar sind. Für die vielfach nicht tarifgebundene Musikwirtschaft sei eine gesetzliche Lösung jedoch unerlässlich.

Das Forum bringt seine juristische und branchenspezifische Expertise aktiv in den politischen Prozess ein und verweist auf ein gemeinsam erarbeitetes Positionspapier. Es bietet den Dialog mit allen relevanten Akteuren an – mit dem Ziel, Rechtssicherheit, faire Arbeitsbedingungen und wirtschaftliche Stabilität in der Kultur- und Kreativwirtschaft zu sichern.

Die Reform des Arbeitszeitrechts ist laut Forum Musikwirtschaft ein zentraler Schritt für eine zukunftsfähige Branche. Die Zeit der Ankündigungen sei vorbei – jetzt komme es auf die konkrete Umsetzung an.

Das Forum Musikwirtschaft vereint sieben zentrale Branchenverbände: den Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV), den Bundesverband Musikindustrie (BVMI), den Verband Deutscher Musikverlage (DMV), den Interessenverband Musikmanager & Consultants (IMUC), die LiveMusikKommission – Verband der Musikspielstätten in Deutschland (Livecomm), die Society Of Music Merchants (SOMM) und den Verband unabhängiger Musikunternehmer (VUT).