Die Bregenzer Festspiele in Österreich starten mit der Premiere der „Zauberflöte“ in die neue Spielzeit. Die Entwickler am Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Ilmenau partizipieren daran. Im Jahr 2004 begann die Kooperation des Forschungsinstituts mit der weltweit größten Seebühne. Ziel des Projekts war es, ein Beschallungssystem zu entwickeln, mit dem die Zuschauer akustisch noch stärker in die Handlung einbezogen werden sollten. Unter anderem wurden 820 Lautsprecher installiert.
Als die Ilmenauer Experten für Beschallungslösungen vor zehn Jahren die Zusammenarbeit mit den Betreibern der Bregenzer Seebühne mit einem Vertrag besiegelten, standen sie vor drei großen Herausforderungen. Erstens sollte die Akustik eines geschlossenen Konzertsaals in dem offenen Publikumsbereich der Seebühne realisiert werden. Zweitens sollte es für jeden einzelnen Zuhörer möglich sein, den Sängern auf der circa 60 Meter breiten Bühne akustisch folgen zu können – und zwar immer aus der richtigen Richtung und an der korrekten Position. Drittens sollten Klangeffekte losgelöst von der Position der Lautsprecher kreativ im Publikumsbereich platziert werden.
Um das anspruchsvolle Bregenzer Beschallungskonzept umzusetzen, arbeiteten die Ilmenauer Fraunhofer-Forscher mit dem Wellenfeldsynthese-Verfahren. Zur akustischen Umsetzung der Wellenfeldsynthese war es unter anderem notwendig, einen Ring von Lautsprechern rund um die Zuschauerränge zu installieren. René Rodigast, Gruppenleiter am Fraunhofer IDMT und verantwortlich für den Bereich „Professional Audio“, erinnert sich: „Was für ein Mammut-Projekt! Die größte Herausforderung in Bregenz war es, jeden der 7000 Plätze auf der Tribüne bestmöglich mit Raumklang zu versorgen. Das gelang uns nur mit der Ansteuerung von mehr als 800 Lautsprechern. Eine Freiluft-Installation dieser Dimension ist weltweit bis heute einzigartig.“
Nach zehn Jahren Spielbetrieb mit dem Fraunhofer-3D-Klangkonzept wurde es Zeit für eine technische Verjüngung des Bregenzer Beschallungssystems. Neben neuer Technik zur Audiosteuerung nutzen die Toningenieure der Seebühne nun die Bedienoberfläche „SpatialSound Control“, mit der sie die Richtungsgebiete zur akustischen Verfolgung und Ortung der Akteure auf der Bühne noch einfacher bearbeiten können. Mit dem Tool können gleichzeitig mehrere Personen über verschiedene Geräte, wie PC, Tablet oder Smartphone, am System arbeiten. Das ermöglicht es den Tontechnikern, Richtungsgebiete nicht mehr nur zentral aus der Ton-Regie einzurichten, sondern auch mobil von den Zuschauerplätzen aus.

Info: www.idmt.fraunhofer.de
Einsatz von SpatialSound Control, Zuschauertribüne der Bregenzer Seebühne wird an drei Seiten von einem Lautsprecherband eingefasst
(Fotos: Fraunhofer IDMT, Bregenzer Festspiele / Karl Forster






















